Ergänzendes zu den Wandbildern


J.P. Monitor bestätigt 1875 den Betrag von 500 Taler für die drei Bilder erhalten zu haben:

1. Geißelung Christi

2. Ecce Homo

3. Begegnung Christi mit Maria


Die Wandgemälde Monitors dienten als Grundlage für eine Passionsdichtung des im 19. Jahrhundert bekannten Dichters F.W. Weber.


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1892 Das Leiden unseres_Heilandes.pdf
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P.J. Molitor - Nazarener


aus: Die Nazarener – Vom Tiber an den Rhein. Drei Malerschulen des 19. Jahrhunderts.- Schnell und Steiner 2012, Seite 59 – 61

 

Peter Molitor 

Mit Peter Molitor (1821-1898) betrat ein jüngerer Koblenzer Maler die Kunstszene im Rheinland, der sich 1838 für nur kurze Zeit, dann ab 1841 länger an der Düsseldorfer Akademie eingeschrieben hatte. Er studierte bei earl Friedrich Sohn und Wilhelm von Schadow, ab 1859/60 lernte er u. a. auch als Meisterschüler bei Ernst Deger. In erster Linie als biblischer Historienmaler tätig, galt er jedoch ebenfalls als ein vorzüglicher Portraitist. Zudem gelang es ihm, seine biblischen Themen - Fresken und Altarbilder - mit einem weicheren Schmelz auszustatten, als dies Settegast verstand. Er wurde so nach 1870 zu einem gefragten Kirchenmaler, dessen Arbeiten heute noch in zwei kompletten Bildzyklen in der Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Koblenz-Arenberg (1876- 1882) und in der Pfarrkirche St. Maximin in Klotten/Mosel (nach 1880) erhalten sind.

Im Langhaus der Arenberger Kirche führte Molitor Szenen zum Passionsweg Christi aus, in Klotten sechs Christus- und Marienbilder, zudem vier einzelne Heiligenfiguren. 

In Arenberg führte Molitor zwischen 1872 und 1882 zehn Wandbilder im Langhaus im Format von 214 x 251 cm aus. Ihre Platzierung in 6,50 m Höhe bedingte eine Konzeption, die den niedrigen Betrachterstandort und die damit verbundene Fernwirkung berücksichtigte: Er arbeitete in erster Linie mit deutlichen Umrisslinien und klar voneinander abgesetzten Farben. Zwei der Vorzeichnungen zu den Gemälden befinden sich heute in der Wuppertaler Sammlung Volmer. 

Das Arenberger Bildprogramm weicht von den traditionellen Kreuzwegstationen ab, die spätestens seit dem frühen 18. Jahrhundert unter Papst Clemens XII. kanonisiert waren. Durch die Auswahl der Bildmotive, die sich stärker auf Szenen der Leidensgeschichte Christi als auf die eigentlichen Kreuzwegstationen konzentrierte, musste sich Molitor teilweise von der tradierten Ikonographie des Kreuzweges lösen. 

Molitor hat fast alle Bilder des Arenberger Kreuzwegzyklus signiert, durch eine Restaurierung in jüngerer Zeit sind jedoch nicht mehr alle Signaturen erhalten. In dem 9. Bild des Gemäldezyklus hat Molitor zudem ein Selbstbildnis in der Figur des Simon von Cyrene hinterlassen, eine erhaltene Detailstudie des Kopfes (Abb. 17) weist dieses Bildnis des Simon als eigenes Portrait aus: Molitor hat sich hier in der wichtigsten Assistenzfigur des Bildes dargestellt, er wird damit zu derjenigen Person, die die schwere Kreuzeslast auf sich nimmt. Für Molitor ist dies ein deutliches Bekenntnis zum christlichen Glauben und zum Katholizismus, fällt doch die Entstehungszeit der Arenberger Gemälde in die Kernzeit des sogenannten Kulturkampfes, der Auseinandersetzung zwischen dem protestantischen preußischen Staat und dem politischen Katholizismus. Die Arenberger Wandfresken erwiesen sich als so populär, dass Molitor die unkolorierten Zeichnungen gemeinsam mit Gedichten des Arztes und Dichters Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894) noch 1892 publizieren konnte. 

Neben seinen kirchlichen Aufträgen war Molitor - ebenso wie der Künstlerkreis um Ernst Deger oder sein Koblenzer Kollege Settegast - für den Heiligenbildverein in Düsseldorf tätig. Seine gestochenen Bilder38 (hl. Norbert, Mater dolorosa und Ecce Homo, ein Kommunionbild und eine alttestamentarische Szene) sind nach heurigem Kenntnisstand keinem bekannten Tafelbild oder Fresko zuzuordnen und wurden vermutlich eigens für den Verein gezeichnet. Sie entsprechen dem Düsseldorfer Kompositionsschema eines Historienbildes auf relativ knapper Vordergrundbühne, das auch von den meisten Künstlern des Heiligenbildvereins einheitlich durchgeführt wurde. Molitors heute einzige bekannte, große alttestamentarische Komposition "Die Sintflut" (1848, Abb. 18) zeigt ihn jedoch als unabhängigen Dramaturgen, der in einer klar strukturierten Dreieckskomposition die Dramatik der Sintflut und die in den Fluten verzweifelnden Menschen in Szene zu setzen wusste. Schlaglichtartig beleuchtet wird nicht die rettende Arche - rechts im Hintergrund -, sondern das menschliche Leid: Molitor zeigt sich hier als typischer Nazarenermaler seiner Zeit, indem er das einzelne Schicksal und die individuelle Persönlichkeit hervorhebt. Bei Molitor findet so eine Verdichtung der Dramatik statt, die sich grundsätzlich von früheren Sintflutdarstellungen abhebt. 

Neben seinen kirchlichen Aufträgen war Molitor vermutlich auch ein gefragter Portraitist, der seine bei Carl Ferdinand Sohn in Düsseldorf erlernten Techniken perfekt umzusetzen verstand. Das "Portrait der Frau Mainzer" von 1850 (Öl/Lwd., 106,5 x 75 cm; Mittelrhein-Museum, Koblenz) entspricht dem typischen Schema eines Dreiviertelportraits vor einem Landschaftsausschnitt, hinzu kommt die perfekt ausgeführte Umsetzung der Stofflichkeit, die der geforderten Natürlichkeit der Düsseldorfer Schule Rechnung trug. 

P.J. Molitor - Reisewege


aus: Reisewege zu den Nazarenern in Rheinland-Pfalz.- Schnell+Steiner 2012. Seite 42 – 44

 

Koblenz-Arenberg, Wallfahrtskirche St. Nikolaus 

 

Peter Josef Molitor und Johann Heinrich Lange:

Passionszyklus im Langhaus  

Bereits 1845 wurden erste umfangreiche Parkanlagen rund um die nachmittelalterliche Pfarrkirche St. Nikolaus in Arenberg angelegt, die nach den Plänen von Pfarrer johann Baptist Kraus eine "Landschafts-Bilderbibel" im Sinne einer ,biblia pauperum' umsetzen sollten. Schon ein Jahr später, 1846, wurden die ,heiligen Orte' von ersten Pilgern besucht, zu denen auch prominente Gäste wie Prinzessin Augusta von Preußen, die Großfürstin Constantine von Russland oder Erzherzog Stephan von Österreich gehörten. Ab 1860 wurde die heutige Pfarrkirche nach Plänen des Koblenzer Architekten Hermann Nebel als Zentrum des Wallfahrtsortes errichtet, der bei seiner Fertigstellung insgesamt 60 Kapellen, Grotten und biblische Figurengruppen umfasste.  

Pfarrer Kraus entwarf neben dem Landschaftsgarten auch das Konzept eines Kreuzwegzyklus im Kircheninneren, der heute als Gesamtkunstwerk aus figuralen Inszenierungen und Gemälden auf den Betrachter wirkt.  

Zwölf Gemälde im Chor und Langhaus bilden den Kern der Kreuzwegbilder, denen als weitere Stationen die gewaltige Skulpturengruppe im Hochaltar "Golgatha" (13. Station) sowie das "Heilige Grab" (14. Station) in der Apsis des nördlichen Seitenschiffes zuzurechnen sind.  

Den Gemäldezyklus fertigten die beiden KobIenzer Maler Johann Heinrich Lange und Peter Josef Molitor an, die beide an der Düsseldorfer Akademie studiert hatten. Lange gehörte dabei streng genommen nicht zu den Düsseldorfer Nazarenermalern, er war in erster Linie Landschaftsmaler. Von ihm stammen die beiden Gemälde im ersten Chorjoch: "Christus wird an das Kreuz genagelt" (Südseite) und die "Kreuzabnahme Christi" (Nordseite), die bereits zur Kirchweihe 1868 fertig gestellt waren.  

Molitor führte zwischen 1872 und 1882 die zehn Wandbilder im Langhaus im Format von 214 x 251 cm aus. Ihre Platzierung in 6,50 m Höhe bedingte eine Konzeption, die den niedrigen Betrachterstandpunkt und die damit verbundene Fernwirkung berücksichtigte: Er arbeitete in erster Linie mit deutlichen Umrisslinien und klar voneinander abgesetzten Farben. Zwei der Vorzeichnungen zu den Bildern befinden sich heute in der Wuppertaler Sammlung Volmer. 

Das eigentliche Bildprogramm weicht von den traditionellen Kreuzwegstationen ab, die spätestens seit dem frühen 18. jahrhundert unter Papst Clemens XII. kanonisiert waren.  

Pfarrer Kraus setzte dem traditionell ersten Bild der Kreuzwegstation "Verurteilung Christi" weitere Stationen vorweg, die eher zur Passionsgeschichte und nicht zum Leidensweg Christi nach Golgatha gezählt werden: "Gethsemane/Christus auf dem Ölberg" (Bild I, über dem südlichen Querhaus), der "judaskuss" (2. Bild), "Christus vor dem Hohepriester Kaiphas" (3. Bild) und "Christus vor König Herodes" (4. Bild). Erst mit dem 5. Bild "Christus vor Pontius Pilatus" wird ein Thema des traditionellen Kreuzwegprogramms eingeführt, dem jedoch mit der "Geißelung Christi" (6. Bild) ein weiteres Bild der biblischen Passionsgeschichte folgt. Erst ab dem 7. Bild "Dornenkrönung/Ecce Homo" schließen die herkömmlichen Bilder an: "Erster Fall unter dem Kreuz" (Bild 8), in dessen Szene die Begegnung mit Christi Mutter eingefügt ist, "Zweiter Fall unter dem Kreuz" (Bild 9), vereint mit der Darstellung der Hilfe durch Simon von Cyrene, sowie als 10. Bild .,Christus wird seiner Kleidung beraubt".  

Als 11. und 12. Bild schließen sich die beiden Bilder Langes im ersten Chorjoch an, die konzeptionell noch völlig anders als Molitors Bilder aufgefasst sind: Lange setzt seine Szene jeweils vor einen mittelalterlich wirkenden Goldgrund, nur eine reduzierte Vordergrundbühne bietet den Raum für die eigentliche Darstellung. Diese beiden Bilder sind vermutlich in jüngerer Zeit übermalt worden, der hart und etwas naiv wirkende Stil der Bilder entspricht nicht dem heute bekannten Stil und den überwiegend qualitätvollen Arbeiten Langes.  

Molitor konzentriert sich in seinen Gemälden auf die zentrale Figur des Christus, die meist in der Mitte der Szene oft noch durch eine auffallende Architektur hervorgehoben (z.B. in der "Geißelung", 6. Bild, 1. Joch im nördlichen Langhaus) oder durch leuchtende Farbtöne akzentuiert wird.  

Molitor hat fast alle seine Bilder signiert, durch eine Restaurierung in jüngerer Zeit sind jedoch nicht mehr alle Signaturen erhalten. Die meisten der Wandbilder wurden durch Stiftungen finanziert, auffallende Wappendarstellungen in den Szenen weisen auf die verschiedenen Stifter (Bild 3-5) hin, die auf Bild 8 auch einmal namentlich genannt werden.  

In dem 9. Bild des Gemäldezyklus hat Molitor ein Selbstbildnis in der Figur des Simon von Cyrene hinterlassen. Eine Detailstudie des Kopfes (heute Koblenz, Mittelrhein-Museum) weist dieses Bildnis des Simon als eigenes Portrait aus: Molitor hat sich hier in der wichtigsten Assistenzfigur des Bildes dargestellt, er wird damit zu derjenigen Person, die die schwere Kreuzeslast auf sich nimmt. Für Molitor ist dies ein deutliches Bekenntnis zum christlichen Glauben und zum Katholizismus, fällt doch die Entstehungszeit der Arenberger Gemälde in die Kernzeit des sogenannten Kulturkampfes, der Auseinandersetzung zwischen dem protestantischen preußischen Staat und dem politischen Katholizismus.  

Die Gemälde Molitors erwiesen sich als so populär, dass Molitor die unkolorierten Zeichnungen gemeinsam mit Gedichten des Arztes und Dichters Friedrich Wilhelm Weber (1813- 1894) noch 1892 publizieren konnte ("Das Leiden unseres Heilands", 12 Alberttypien nach Cartons von Peter Molitor (München 1892). 

 

Irene Haberland  

Lit.: Heitger 1982. - Busch 1984. - Klaus 2008.